Geschichten
2. Platz Schreibwettbewerb Tucholsky-Buchandlung Berlin
Thema: Zukunft
Die Rettung der Erde
Adira rannte um ihr Leben! Sie stolperte die Treppe hinunter und knallte mit voller Wucht auf den Holzboden. Ihre Hand blutete, doch sie achtete gar nicht darauf und rappelte sich wieder hoch. Sie stürmte aus dem brennenden Haus und schlug die Tür zu. Kurz darauf explodierte es! Adira sank auf den Boden und umklammerte ihren Glücksbringe, der wie immer um ihren Hals gebunden war. Ihre schwarzen, lockigen Haare hingen ihr vors Gesicht und ihr Körper war übersäht von blutigen Schrammen. Nach kurzem liegen stand Adira auf, und lief weiter. Überall lagen zertrümmerte teile von Häuser und Autos. An manchen Stellen sah sie sogar noch Privatflugzeuge. Doch vor lauter Rauch und Staub konnte man nicht wirklich viel erkennen. Adira erinnerte sich an die Geschichten, die ihre Eltern ihr früher erzählt hatten. „Es gab mal eine Zeit, in der alles gut war“, hatte einst ihre Mutter gesagt, „da gab es noch Pflanzen und Tiere und Menschen, die sich aufeinander verlassen konnten. Die Menschen waren glücklich und hatten eigentlich alles, was sie wollten! Doch wie die Menschen nun mal waren, wollten sie mehr! Also erfanden sie Autos, Flugzeuge, Weltraumschiffe, Handys und noch so viel mehr elektronische Sachen. Doch das hatte Auswirkungen auf unseren ganzen Planeten. Doch die Menschen kümmerten sich nicht darum und so wurde der blaue Planet zum grauen Planeten.“ Adira hatte damals gedacht alles sei nicht so schlimm, doch mit der Zeit hatte sie gemerkt, wie alles anders wurde. Sie hatte gemerkt, wie die Welt sich in Sekunden schnelle verändert hatte. Die Menschen wollten das unser Planet besser wird, dachte Adira, doch das ist er nicht geworden! Und jetzt war sie, Adira Kosla, einer der letzten Menschen der Welt. Viele Leute würden das nicht so toll finden! Schließlich war Adira dunkelhäutig. Doch sie konnte mit Beleidigungen über ihre Hautfarbe schon sehr gut umgehen. Man gewöhnte sich dran! Adira schaute sich suchen nach einem Unterschlupf um. Doch sie sah nur Rauch und Trümmer. Plötzlich knallte sie gegen eine Stange. Sie fiel auf den Steinigen Boden. Für einen kurzen Moment sah sie Sternchen, doch dann setzte sie sich benommen wieder auf. Sie nahm die Stange gegen, die sie gelaufen war in Augenschein. Es war eine Ausschilderung, die Zeigte, was für Aktionen es in der Gegend gab. Darauf waren Interessante Sachen abgebildet. Doch die meisten davon, gab es gar nicht mehr. Die Fliegende-Autowerkstatt wurde schon längst abgebrannt, Das Riesenkino, mit Kinofilmen in 6D, war auch schon längst eingestürzt und das Riesenrat ins Weltall war ebenfalls nicht mehr befahrbar. Doch eine Sache könnte vielleicht noch existieren! Der Tunnel zum abgekühlten Erdkern. Viele Menschen hatten das lange nicht für möglich gehalten, den Erdkern „abzukühlen“! Doch 3007, ist es der Forscherin Rory Graz endlich gelungen, den Erdkern abzukühlen! Aber das war jetzt auch schon 300 Jahre her. Damals hatten sich alle Leute um den Tunnel zum Erdkern gedrängelt. Doch schon hundert Jahre später war der Tunnel nicht mehr so spannend und 250 Jahre später hatte man den Tunnel schon ganz vergessen! Doch Adira fand ihn immer noch spannend und wollte sehen, ob er eingestürzt war. Außerdem brauchte sie dringend eine Unterkunft! Also lief sie in die Richtung, die ihr das Schild zeigte. Aber den Weg dahin war nicht so leicht zu finden, wie Adira gedacht hatte! Erst einmal musste sie sich durch den Rauch kämpfen, der sie zu einem Eingestürzten Krankenhaus führte, vorbei an vielen Autos und noch halb stehenden Häusern, bis sie schließlich an einem Müllberg ankam. Als sie dort drüber kletterte, sackte sie fast ein! Doch dann hatte sie es schließlich geschafft und stand vor einem gewaltig großen Tunnel! „Der Erdtunnel“, hauchte Adira voller Ehrfurcht und trat näher heran. Ihre Hand glitt an der Steinigen Wand entlang und sie schaute in die Tiefe. Wenn man dort runterrutschte, kam man nur mit dem Aufzug wieder ans Tageslicht! Und der war schon lange kaputt. Deshalb sollte sie das lieber nicht tun! Doch was sollte sie jetzt machen? Sie war einfach losgelaufen und hatte eigentlich gar keinen Plan gehabt, was sie jetzt tun sollte! „Alles wurde mir genommen“, dachte Adira, „Es gibt nichts und niemanden mehr, für den es sich lohnt etwas zu tun oder da zu sein! Eigentlich müsste ich nicht mal mehr Leben!“ Adira wusste, dass sie so, nicht denken durfte. Doch Gedanken sind frei! Gedanken kann man nicht steuern. Während Adira über das nachgrübelte, merkte sie nicht, wie sie langsam ins Rutschen kam. Erst als sie schon sehr nah am Abgrund war, wurde es ihr bewusst. Doch da war es schon zu spät. Mit einem lauten Aufschrei rutschte sie in die unendliche tiefe.
Als Adira wieder zu sich kam, tat ihr alles weh! Vom Kopf bis zu den Füßen. Ihre Hände und Beine waren mit Staub bedenkt und ihre Klamotten zerfledert. Sie schaute sich um. Zum Glück war der Tunnel eher wie eine Rutsche und nicht so steil! Sonst hätte ihr letztes Stündlein bereits geschlagen. Als sich Adiras Augen so langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schaute sie sich um. Sie lag vor einer riesengroßen Kugel, die so gewaltig war, das Adira nur ein Stück von ihr sah. „Na großartig“, sagte Adira sich, „jetzt ist genau das passiert, was nicht passieren sollte! Kann das Leben denn noch schlimmer werden?“ Erschöpft lehnte sie sich an den Teil vom Erdkern, der zu sehen war. Das alles sollte nur ein böser Traum sein! Genau, gleich würde sie aufwachen. Doch es war kein Traum. Und Adira würde auch nicht aufwachen. Ein Bild ihrer Familie schlich sich in ihren Kopf. Sie erinnerte sich an ihre Mutter, die ihr immer etwas vorgesungen hatte, wenn Adira nicht einschlafen konnte. Sie erinnerte sich an ihren Vater, der lustigste Mensch auf der ganzen Welt. Sie erinnerte sich an ihren großen Bruder, der ihr immer durchs Haar wuschelte, obwohl Adira das nicht mochte. Sie erinnerte sich an ihre beste Freundin Anna, mit der sie alles geteilt hatte und mit der sie sich stark fühlte. Sie erinnerte sich an ihre Omas, Opas, Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins, Lehrer*innen, Mitschüler*innen und ihren Hund Luna! Es gab so viele Menschen auf der Welt, die sie liebte und denen sie das gerne noch gesagt hätte. Doch das Leben war zu kurz gegangen. Für alle! Adira weinte eigentlich nicht so oft, doch jetzt strömten die tränen nur so aus ihr raus. Und sie wahren so voller Liebe, das sie einen neuen Weltrekord aufgestellt hätte! Eine besonders dicke Träne rollte langsam ihre Wange hinunter und tropfte auf den Erdkern. Einen kurzen Moment war es still. Totenstill! Doch dann wurde Adira von einer so mächtigen Kraft gepackt, dass sie an die Steinige Want gepresst wurde und für kurze zeit keine Luft bekam! In dem Moment dachte sie: „Jetzt ist es vorbei! Der Erdkern ist explodiert und allein ich bin daran schuld!“ Doch die Explosion war nicht feuerrot, sondern Wasserblau. Und auf einmal wuchs unter ihr Gras. So grün, dass es noch kein Mensch auf dieser Welt gesehen hatte. Und der Tunnel wurde wieder mit Erde befüllt, so wie es sein sollte. Doch wie war das möglich? Als Adira an der Oberfläche ankam musste sie erst einmal blinzeln, damit sie von dem Sonnenschein nicht geblendet wurde. „Moment mal, Sonnenschein? Keine Wolken? Geht das?“, fragte sich Adira. Doch als sie sich an das Licht gewöhnt hatte, war das ihre geringste Frage! Vor ihr war alles von Gras bedeckt und alles blühte! Zwischen den Hecken und Sträuchern waren hübsche, bewachsene, kleine Häuschen zu erkennen. An einem Wasserfall tanzten schillernde Libellen miteinander. Im Gras hüpften Kaninchen miteinander umher und der ganze Planet war voller Leben! Adira kniff sich in den Arm. Das konnte nur ein Traum sein! So etwas wundervolles konnte man nicht erleben. Das war doch nicht die Erde, oder? Adiras Füße setzten sich einfach in Bewegung ohne das Adira etwas dagegen machen konnte. Sie lief an wunderschönen und hübschen kleinen Häuschen vorbei, wie es sie nur in Märchen gab. Als sie dort ankam, wo der Plastikberg gestanden hatte, war der verschwunden und ein großer blühender Baum der vielen Tieren ein Zuhause gab, stand an seiner Stelle. Als sie dort vorbeilief, wo auf dem hinweg noch halbstehende Häuser und Autos zu sehen gewesen waren, waren die Autos verschwunden! Statt der Straße war ein kleiner und geheimnisvoller Pfad zu sehen und die Häuser waren aus Holz gebaut und von Pflanzen umschlungen, als ob die Natur sie beschützen wollte. Adira lief den Pfad entlang und kam an die Stelle, wo eigentlich das zerstörte Krankenhaus stehen sollte. Doch das Krankenhaus war bunt und nicht zerstört. Ein paar Menschen standen darum herum. Als Adira an ihnen vorbeilief, beleidigten sie sie nicht oder sprachen sie auf ihre Hautfarbe an! Ganz im Gegenteil, sie winkten Adira fröhlich zu und riefen „Danke Adira!“ Adira schaut sie verdutzt an und winkte zurück. „Woher kennen die meinen Namen? Und wieso danke?“, fragte sich Adira. Doch egal wo sie hinlief, immer wurde Adira „danke“ gesagt. Ein bisschen verwirrt lief sie unbewusst in Richtung ihres Hauses. Doch plötzlich stand sie vor einem wunderschönen, aus Holz gebauten Haus. Am Haus entlang, blühten Blumen in allen möglichen Farben! Adira ging auf das Haus zu, und öffnete langsam die Tür. „Hallo? Mama, Papa? Ist hier jemand?“, fragte sie vorsichtig. Keine Antwort. Sie lief durch das Haus und rief und rief, doch sie bekam keine Antwort. Traurig und endtäuscht setzte sich Adira auf die Treppe. Sie hatte sich zu früh Hoffnung gemacht. In dem Moment hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“, rief die sanfte Stimme ihrer Oma. Adira schaute sich um. Ihr Blick fiel auf eine Tür die sie bisher noch nicht gesehen hatte. Sie ging darauf zu, und öffnete sie. Hinter der Tür erblickte Adira einen wunderschönen Garten. Er hatte einen Wasserfall, viele Bäume, Sträucher und eine saftig grüne Wiese. Adira war so in den Garten vertieft, dass sie nicht merkte, wie sich etwas an sie heranschlich. Doch plötzlich wurde sie umgerannt und etwas Nasses lief über ihr Gesicht. Adira machte die Augen auf und rief: „Luna!“ Überglücklich stürzte sie sich auf ihren kleinen Hund. Und da sah sie auch ihre Mama, ihren Papa, ihren Bruder, ihre Tanten und Onkels, ihre Omas und Opas und ihre Cousinen und Cousins. Alle waren da und umarmten sich. Und Adira weinte und weinte und konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Doch sie weinte nicht vor Trauer! Nein, sie weinte vor Glück. Nach dem freudigen Familienkuschel, fragte Adira nach den Menschen, die alle ihren Namen gekannt hatten und ihr „Danke“ zugerufen hatten. Da drängte sich Adiras Oma zu ihr durch und sagte: „Adira! Wir wissen alle, dass du der letzte Mensch auf Erden warst. Wir wissen was geschehen ist, und was du mit deiner Träne ausgelöst hast. Du hast diese wundervoll friedliche Welt erschaffen!“ Adira war verdutzt! „Ich war das? Ich habe diese Welt erschaffen? Mit dem ganzen Leben?“, fragte Adira. Und ihre Oma nickte. „Alle Menschen auf der Welt wissen das und sind dir dankbar! Sie sagen das so etwas nie wieder passieren wird.“ „Wer hat euch das erzählt?“, fragte Adira. Ihre Oma nickte, als hätte sie auf diese frage gewartet. „Zu uns allen sprach die Göttin! Sie zeigte sich uns als Mensch und wir erfuhren, dass sie schwarz war. Sie fragte uns alle, ob wir bereit wären die Welt noch einmal zu übernehmen. Sie sagte, dass sie uns noch eine zweite Chance geben würde, wenn wir ihr versprachen, dass wir sie nicht vergeuden würden! Und wir haben zugestimmt und mit deiner Kraft hat es funktioniert!“ Adira staunte! Was so ein kleiner Mensch alles bewirken konnte, wenn er nur genug Kraft und Vertrauen hatte. Und mit dem Gewissen, das es Menschen gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen, kann man die Welt verändern!
Ende!
Geschrieben: 2023
Das hier ist die Geschichte, für einen Kurzgeschichtenschreibwettbewerb in Berlin gewesen, bei dem ich den Zweiten Platz gemacht habe.
Die Stimme auf dem Dachboden
Unsere Geschichte beginnt an einem schönem Herbstnachmittag, als ich mal wieder grimmig aus dem Fenster schaute. Mein Blick schweifte über die schöne Landschaft die ich in kürze verlassen würde.Ich vermisste jetzt schon den großen Garten mit der kleinen Schaukeln und dem super Kletterbaum.Plötzlich klopfte es an meiner Tür. „Herein,“ rief ich missmutig. Meine Zwillingsschwester Clara steckte den Kopf zur Tür rein. Sie sah nicht weniger begeistert aus als ich. Es war ja auch erst eine Woche her das Mama und Papa uns erzählten das sie neue Arbeiten in Rumänien hatten. Clara setzte sich zu mir auf mein Bett und starte auch sauer aus dem Fenster. Nach einer weile sagte sie: „Du Lara ich will nicht nach Rumänien.Hier sind doch all meine Freunde“. „Glaubst du ich will das?“ fragte ich. Wir starten noch eine ganze Weile aus dem Fenster bis Mama uns zum Packen rief. Nach einer halben Stunde fuhren wir dann los. Weg von unserem Zuhause, weg von unserem Land und noch viel weiter. Die fahrt dauerte so lange das ich glaubte sie ginge nie zu Ende. Doch dann waren wir doch irgendwann da. In einer verlassenen Stadt in Rumänien. Doch ganz verlassen war die Stadt nicht, denn in manche Häuser waren Familien eingezogen. Schließlich standen wir vor einem großen, etwas gruseligem Haus. „So“, sagte Papa, „dann gehen wir besser mal rein“. Das taten wir auch. Unser Haus war dunkel, denn der Lichtschalter war kaputt. „Wäre es okay wenn ihr auf dem Dachboden schlaft?“ fragte Mama. Uns war ziemlich egal wo wir schliefen, also gingen Clara und ich in das obere Zimmer. Nicht schlecht staunten ich als wir das Zimmer betraten. Das große Dachbodenzimmer hatte zwei kleine Fenster mit hübschen Gardinen. Außerdem sah ich noch ein langes Bett, zwei kleine Regale, ein großer Schreibtisch, drei alte Schränke und ein gemütliches Sofa. Nach einer weile brachte Papa uns die Taschen und Koffer hoch. Er schaute uns beide prüfend an und ging wider die Treppe runter. Als Papa gegangen war, holte ich ein Seil aus einer Tasche und knotete es an eins der Fenster. Es war gerade lang genug um sich von ganz oben nach unten abzuseilen. „So können wir jederzeit unbemerkt raus“,meinte ich. Doch plötzlich hörten wir noch eine andere Stimme die sagte: „Das ist keine gute Idee“. Ich bekam eine Gänsehaut und griff nach Claras Hand. „Oh, keine Angst ich tu euch doch nichts“, sagte die Stimme. „Wer bist du?“ piepste Clara. „Ich bin, nun ja wie soll man das beschreiben, ein Fabelwesen. Aber wie schon gesagt ich tu euch nichts“, antwortete das Fabelwesen. Anscheinend bemerkte es das Clara und ich immer noch am ganzen Körper zitterten, denn es sagte: „Na gut“. Und ein kleiner niedlicher Drache kam zum Vorschein. Trotzdem schrieen Clara und ich auf. Vielleicht hattet ihr das ja mal aber wenn man zum ersten mal in seinem Leben einen Drachen sieht dann muss man einfach schreien. Mama kam hoch und fragte uns was denn los sei. „Eure Mutter kann mich weder sehen noch hören“, meinte der Drache. Also scheuchten Clara und ich Mama wieder nach unten und schlossen die Tür. Ich guckte Clara an und sie guckte zurück. Wir grinsten. Vielleicht würde das mit Rumänien ja doch noch ganz witzig werden.
Geschrieben: 2020
Der Geisterwald
Es war einmal ein großer Wald in dem viele einzigartige Tiere wohnten.Eines Tages entdeckte Fino der Fuchs eine Herde Menschen am Waldrand stehen. Fino erschauderte als er die vielen Menschen mit den großen Maschinen erblickte. Schnell flitzte er zu dem Baum der seiner besten Freundin Nina gehörte. „Nina, komm bitte runter es ist wichtig“, rief Fino den Baum hinauf. Geschickt kletterte Nina den Baum hinunter und fragte: „Was gibt’s ?“„Vor unserem Wald stehen ganz viele Menschen mit so unheimlichen Maschinen“, berichtete Fino außer Atem. „Wetten, die haben irgendetwas nicht schönes vor“, meinte Nina und ballte die Fäuste. Normalerweise hätte Fino jetzt laut losgelacht, aber danach war ihm grade gar nicht zu mute. Als Fino seine Stimme wiederfand sagte er: „Wenn wir herausfinden wollen was die Menschen vorhaben, dann brauchen wir Hilfe!“ Entschlossen liefen sie zu Elina der Eule. Als Elina sie kommen sah flog sie rasch zu ihnen und fragte: „Wieso seid ihr hier?“ In kurzen Sätzen erzählten Nina und Fino was sie mitbekommen hatten. „Das klingt wirklich sehr merkwürdig“, meinte Elina, „ich könnte mir das ganze ja mal aus der Luft ansehen“. Und ehe sie sich’s versahen schwang Elina sich auch schon in die Lüfte. Es dauerte eine ganz Weile bis Elina kreideweiß zurück kam. „Was ist passiert“, fragten Nina und Fino wie aus einem Mund Elina begann zu erzählen: „Am Waldrand standen viele Menschen mit Schildern und haben gerufen: Wir wollen das Einkaufszentrum. Dann ist ein Mann auf eine große Fläche getreten und hat verkündet das in drei Tagen der Wald abgeholzt werden soll und dafür ein Einkaufszentrum darauf gebaut wird. Nina und Fino waren wie gelähmt vor Schreck.Sie sollten ihr Zuhause verlieren? Wo sollten sie dann hingehen? „Aber das können die doch nicht machen“, sagte Fino den Tränen nah. „Ach Fino, die Menschen können leider alles mach. Das einzige was wir machen können ist versuchen sie aufzuhalten“. Da waren sich alle einig, doch wie sollten sie das anstellen? „Jedenfalls brauchen wir mehr die uns helfen“, meinte Nina. Also kamen noch Igon der Igel, Shira die Schlange, Hanna der Hase und Bero der Bär dazu. Alle wollten mitmachen. Jetzt saßen sie in einem großen Kreis hinter einem Busch und überlegten hin und her. „Ich würde vorschlagen die Menschen anzugreifen“,meinte Bero. „Hallo? Ich kann keinen Menschen einfach so angreifen“,meinte Hanna. Dann sagte Igon: „Außerdem wollen wir die Menschen ja auch nicht verletzen“. Doch bevor sie weiter diskutieren konnten rief Fino: „Ich hab’s !“ Alle schauten ihn erwartungsvoll an.„Wir erschrecken die Menschen nur mit Geistern und anderen Gruselsachen. Dann kriegen sie so Panik das sie sich nicht trauen den Wald abzuholzen.“Die anderen waren begeistert von der Idee. Als es dunkel wurde wollten die Tiere ihren Plan in die Tat umsetzen. Von Elina hatten sie erfahren das heuteNacht alles für das abholzen gecheckt wurde. Also bereiteten sie sich vor. Überall stellten sie Kerzen auf und zogen sich Bettlaken über. Jetzt waren sie in einem richtigem Gruselwald. Dann war es endlich so weit und zwei dunkle Gestalten wanderten den Weg entlang. „Henri? Siehst du das auch?“ fragte eine Stimme die wahrscheinlich einem Menschen gehörte. „Ja sehe ich, aber warum sind hier so viele Kerzen aufgestellt?“ fragte ein Mann der wahrscheinlich Henri hieß. Die beiden traten ins licht und man erkannte die Umrisse zweier Männer. Henri war klein und hatte schwarzes verstrubbeltes Haar. Seine Augen waren Grün er trug ein rotes T-Shirt, eine blaue Jens und braune Schuhe. Der andere Mann hingegen war groß und breit. Seine Haare waren glattgekämmt und er trug einen blau, weißen Anzug. Die Füße des Mannes steckten in großen schwarzen Schuhen. „Das soll der Wald sein der abgeholzt werden soll?“ fragte der Mann. Doch bevor Henri eine Antwort geben konnte schwebte ein Gespenst genau über sie hinweg. Es war Elina. Beide erstarrten. Doch dann schrien sie so laut das der ganze Wald erzitterte: „HILFE!“ Beide stolperten rückwärts, drehten sich um und rannten davon. Doch weit kamen sie nicht denn eine ganze Schar von Geistern versperrten ihnen den Weg. Jetzt kam Shira`s großer Auftritt. Sie schlängelte zu einem Megafon und begann Menschensprache zu sprechen. „Hallo ihr Menschen“, sagte sie in einer gruseligen Stimme, „ihr seid ohne Erlaubnis in den Geisterwald eingedrungen. Wir tun euch nichts wenn ihr uns Geistern versprecht das der Wald nicht abgeholzt wird“. „Wir schwören auf unser Leben. Der Wald wird niemals abgeholzt“, sagte Henri und der andere Mann nickte. „Wird dem Wald doch etwas zustoßen müssen wir euch leider Jagen“, sagte Shira. Und so kam es das die Männer schreiend aus dem Wald rannten. Die Tiere zogen sich die Bettlaken von den Köpfen und umarmten sich. Alle drückten die Daumen das es klappte. Und zwei Tage später wurde der Wald nicht abgeholzt. Die Tiere tanzten, feierten, aßen und lachten bis es Morgen wurde. Als Fino neben Nina im Bett lag meinte Nina: „Wie schön ist es das wir Tiere egal welche Art zusammenhalten. Wir würden glaube ich jeden Menschen besiegen“. Und sie stellten fest das die anderen noch gar nicht schliefen den sie stimmten laut zu.
Geschrieben: 2020
Würfelgeschichte Thema: Blume, Vogel, Herz
Herzklopfen
Kurze Spoilerwarung: An alle die keine offenen Enden mögen, lest diese Geschichte nicht, es wird euch auf ewig zerstören! (Wortwahl meiner Freunde, Lehrer und Familie, die diese Geschichte gelesen haben. Danke, dass ihr mich noch nicht mit einem Buch beworfen habt, oder mich gezwungen habt weiterzuschreiben (Auch wenn meine Mutter kurz davor war!).
Es war ein lauwarmer Frühlingsmorgen und ein leichter Nebelschwaden schwebte lautlos über die friedlich daliegende Lichtung. Kleine Wassertropfen hatten sich über die Nacht im hellgrünen Gras verfangen und an den großen Bäumen bildeten sich schon kleine Knospen. Außer dem Rauschen des Windes und dem Zwitschern der Vögel war es vollkommen friedlich. Nahegelegen der Lichtung lag ein kleiner Teich, der im Morgenlicht geheimnisvoll schimmerte und mit ein paar Seerosen geschmückt war. Hier und da flog eine Libelle übers Wasser. Und hätte das laute Dröhnen eines vorbeifahrenden Zuges nicht die Stille unterbrochen, wäre die andächtige Stimmung vermutlich geblieben. Hinter dem Wald lag nämlich ein kleines, hübsches Städtchen. Viele kleine rote Backsteinhäuser, reihten sich hier aneinander. Über die hübschen Ziegeldächer, kroch langsam die aufgehende Sonne, und tauchte alles in ein goldenes Licht. Doch der gepflasterte Fußweg, war menschenleer. Kein Wunder, denn es war ja auch noch früh. Ein Haus unterschied sich besonders von den anderen. Es lag weit am Rand der Stadt und war somit das Haus, welches am nächsten am Wald lag. Es hatte einen kleinen gepflegten Vorgarten, wie die meisten Häuser, in dem Lavendel, Rosmarin, Lilien, ein Zwergflieder und sogar ein kleiner Zitronenbaum wuchs. Aber das war es nicht, weshalb es sich von den anderen Häusern unterschied. Es war die Dachfarbe. Denn nicht wie die anderen Häuser war das Dach rot oder schwarz, sondern leuchtete in einem hellen Türkis. Dadurch zog es die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Am Eingang des Hauses, stand ein Topf mit blühendem Vergissmeinnicht. Auf dem Klingelschild stand in geschwungener Schrift: Familie Kaya. Wenn man die passend zum Dach türkise Tür öffnete, kam man zuerst in einen alten Flur, dann in ein geräumiges Wohnzimmer mit einem runden Holztisch an das eine Küche angrenzte. Wenn man dann die Wendeltreppe nach oben stieg, war dort ein Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer und ein Badezimmer. Und wenn man ganz genau hinsah, führte eine kleine Leiter auf den Dachboden, der zu noch einem Zimmer umgestaltetet wurde. An der Decke wurde eine Lichterkette vom einem bis zum anderen Ende gespannt. An der Wand stand ein Regal, was voll mit Krimskrams und Büchern war. Viele Pflanzen schmückten das Zimmer und ließen die Atmosphäre gemütlich wirken. Es gab insgesamt nur ein kleines Fenster, durch das die morgendlichen Sonnenstrahlen krochen und genau auf das Bett schienen, indem ein ca. 12-jähriges Mädchen lag. Ihre schwarzen Locken standen ihr wild vom Kopf ab und ihre Augen waren verschlossen. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein Vogel draußen meinte, er müsste alle in der ganzen Stadt wecken und daraufhin anfing ziemlich laut zu zwitschern. Und da der Vogel auf dem Zitronenbaum im Vorgarten saß, der genau an dem leicht geöffneten Fenster wuchs, viel das Mädchen vor lauter Schreck mit einem lauten Rums aus dem Bett. Schnell rappelte sie sich wieder auf und schloss das Fenster. „Milly, was war das?“, brüllte Millys Großer Bruder Jannes hoch. „Nichts!“, rief Milly zurück, denn sie wollte echt nicht so was wie: „Bin aus dem Bett gefallen!“, rufen. Da hätte Jannes sich bestimmt kaputtgelacht und das konnte sie ja jetzt wirklich nicht gebrauchen. Also kletterte sie langsam die Leiter runter und warf noch einen Blick ins Zimmer ihres kleinen Bruders Joni. Doch der schlief tief und fest. Als sie die Treppe runter zum Frühstück gehen wollte, kam Jannes aus seinem Zimmer und grinste schadenfroh, als er Milly erblickte. „Hat über Nacht ein Vogel in dir genistet, oder warum siehst du so aus?“, fragte er belustigt. Im Gegensatz zu Joni und ihr, waren seine Haare komplett glatt und gar nicht verstrubbelt. „Blödmann“, murmelte Milly und rannte die Treppe runter, um die erste beim Frühstück zu sein. Doch das wollte Jannes auch und so polterten die zwei gemeinsam die Treppe runter und stießen vor dem Wohnzimmer fast mit den Köpfen zusammen. Ihr Mutter, eine Frau mit ebenso Lockigen Haaren, steckte den Kopf aus der Tür und fragte: „Was macht ihr denn hier so einem Lärm schon am frühen Morgen?“ Jannes und Milly probierten möglichst bedröppelt drein zugucken, aber ein kurzer Seitenblick genügte und die beiden mussten laut losprusten. „Nagut, spätestens jetzt ist eh die ganze Nachbarschaft wach“, sagte ihre Mutter, aber selbst sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber seit wenigstens so leise, dass Mami noch schlafen kann.“ „Zu spät“, kam es aus Richtung Tür und eine Frau mit schulterlangen Blonden, Welligen Haaren und Grau-Blauen Augen stand in der Tür. An der Hand hielt sie Joni, der noch recht verschlafen wirkte. „Tut uns leid Mami!“, sagte Jannes mit vollem Mund, der er war, schon am Essen. „Finger weg! Wir essen erst, wenn alle am Tisch sitzen.“, sagte ihre Mama. Ihre Mami lächelte und gab ihr einen Kuss. „Mama! Mami! Doch nicht beim Frühstück“, rief Milly und auch Jannes drehte sich demonstrativ weg. Nur Joni schien die ganze Sache nicht zu stören und schmierte sich in aller Ruhe sein Brötchen mit Haselnusscreme. „Okay, lasst uns einfach Frühstücken!“, bat Milly und setzte sich nun auch, genau wie alle anderen. Nach dem Frühstück rannten Milly, Jannes und Joni schnell die Treppe rauf, weil jeder als erstes im Bad sein wollte. Jannes gewann schließlich und da Joni ein sehr guter Schleimer war, kam Milly als letzte ins Bad und damit auch ein bisschen zu spät zur Schule, was ihrer Meinung nach an den Ampeln lag, die immer, wenn sie mit dem Fahrrad ankam Rot waren. Milly und Joni fuhren beide mit dem Fahrrad zur Schule, allerding fuhren die beiden in komplett unterschiedliche Richtungen, da Joni noch zur Grundschule, genauer gesagt in die zweite Klasse ging. Jannes dagegen fuhr lieber mit dem Bus, da er als kleines Kind ein Fahrradtrauma erlitten hatte, als er mit dem Fahrrad beinahe von einem LKW überfahren worden war. Also traf Milly an diesem Morgen um 8:20 Uhr in der Spivak Schule ein. Ihr vollständiger Name war Gayatri-Spivak-Schule, jedoch nannten sie alle nur Spivak-Schule, weil das umso einiges kürzer war. In der ersten Stunde hatte Milly zu ihrem Bedauern leider auch noch Erdkunde, bei Frau Specht, die zu spät kommen nicht duldete. Also versuchte sich Milly leise in die Klasse zu schleichen ohne, dass Frau Specht es bemerkte, doch da wurde ihr ein gewaltiger Strich durch die Rechnung gemacht. Denn als Milly grade die Tür aufmachen wollte, ging sie schon von allein auf, und Frau Specht kam heraus. Als sie Milly durch ihre schmale Brille erblickte, wurde ihr Blick noch zorniger. „Du bist zu spät!“, blaffte Frau Specht sie an. „Ja, ich weiß, aber…“, fing Milly an, doch das wollte sie nicht hören. „Es ist mir egal, warum du zu spät bist! Es zählt nur, dass du zu spät bist und das ist unakzeptabel! Jetzt mach, dass du in die Klasse kommst, du bekommst gleich einen Eintrag, ins Klassenbuch!“, donnerte Frau Specht. Wären dessen wurde Milly immer kleiner und fühlte sich immer mutloser. Schnell ging sie in ihre Klasse und ließ sich auf ihrem Platz nieder. Außer ein paar prüfenden Blicken, stellte niemand Fragen. Also ließ Milly die Erdkunde Stunde einfach über sich ergehen. In der Pause kam ihre Freundin, Emma auf sie zu. „Warum bist du zu spät gekommen?“, fragte sie besorgt. „Bin zu spät losgefahren“, murmelte Milly und biss in ihr Pausenbrot. „Mach dir nichts draus!“, meinte Luka, der sich zu ihnen gesellte, „Guckt mal da kommt L!“ „Die Specht hat ja wohl voll einen an der Waffel!“, regte sich L auf, „ich wette die hat selbst keine Kinder!“ Ein Lächeln huschte Milly übers Gesicht. Ihre Freunde schafften es einfach immer sie aufzumuntern. Und spätestens in Mathe was ihre Welt wieder komplett in Ordnung. „Ich kann einfach nicht glauben, dass Mathe dein Lieblingsfach ist!“, meinte L nach Schulschluss. „Ja, dass wundert mich auch!“, lachte Luka. „In Mathe gibt es immer nur eine Lösung, aber verschiedene Lösungswege und man kann leicht auf sie kommen“, erklärte Milly, „außerdem macht Mathe einfach Spaß, wenn man es versteht!“ „Ja klar! Mathe und Spaß“, scherzte Emma, „Naja, ist ja auch egal. Wir sehen uns dann Morgen!“ „Tschüss“ riefen die anderen und verabschiedeten sich. Milly stieg auf ihr Fahrrad und fuhr los. Sie musste die meiste Zeit am Fluss langfahren, der sich einmal queer durch die Stadt schlängelte. Am Ufer des Flusses wuchs Schilf und Gräser und wenn man genau hinsah, konnte man ein paar Enten und Gänse entdecken, die um diese Zeit grade ihre Küken bekamen. Sie hatten ziemlich flauschiges Fell, und taumelten ein bisschen tollpatschig ins Wasser. An einer Stelle hing eine Schaukel ins Wasser, die an einen Baum gebunden war. Weiter hinten konnte man eine Gruppe Kinder sehen, die auf SUPs durch die Gegend paddelten und immer wieder probierten, sich gegenseitig runter zuschubsen. Milly atmete die frische Frühlingsluft ein und fühlte sich einfach nur lebendig. Dieses Gefühl hielt immer noch an, als sie in ihre Straße einbog und auf das Haus mit dem Türkisfarbenem Dach zufuhr. Sie stellte ihr Fahrrad in dem Schuppen im hinter Garten ab und ging über den Balkon ins Haus rein. Dort sah sie ihre Eltern am Tisch sitzen, die eine bedrückte Miene aufgesetzt hatten. Sofort war das Glücksgefühl von vorhin wieder weg und Besorgnis schob sich an dessen Stelle. „Was ist passiert?“, fragte Milly zaghaft, als sie durch die Terrassentür kam. Erschrocken fuhren ihre Eltern zusammen. Sie hatten Milly nicht kommen sehen. „Milly, da bist du ja schon! Wie war die Schule“, fragte ihre Mami mit gespieltem lächeln, doch Milly lehnte ab. „Das könnt ihr euch sparen! Kommt einfach gleich zum Punk“, sagte Milly und setzte sich zu ihnen an den Tisch. Ihr Eltern seufzten warfen sich einen kurzen Blick zu und dann sprach ihre Mutter: „Also Milly, deine Mami und ich wollen mit dir über etwas ziemlich wichtiges reden.“ Milly schluckte, denn sie wusste, dass das nichts Gutes hieß. „Du weißt ja sicher noch, warum nur ich euch drei geboren habe und nicht Mami“, fuhr ihre Mama fort. Milly nickte langsam. Natürlich konnte sie sich noch daran erinnern. An das schlimme Gespräch und die schlimmen zweieinhalb Jahre danach. „Ja, Mami hatte damals ja die Herzkrankheit. Das Löffler-Syndrom.“ Bei dem Wort zuckte Milly zusammen. Ihre Mami hatte es doch nicht etwa wieder, oder? Tränen schossen ihr in die Augen und als hätte sie ihre Gedanken gelesen, legte ihre Mami ihr eine Hand auf den Arm und sagte beruhigend: „Alles gut, ich bin immer noch gesund!“ Ein Stein fiel Milly vom Herzen und sie atmete erleichtert auf. „Aber was ist denn dann?“, fragte Milly und schaute ihre Eltern an, denen das anscheinend schwerfiel. „Naja, also es ist so“, sagte ihre Mama gedehnt, „Diese Krankheit ist unter dem Weiblichen Geschlecht vererbbar.“ Milly begriff immer noch nicht ganz, was das jetzt zu bedeuten hatte. „Wir waren bei einem Arzt und der hat uns mitgeteilt, dass eine Chance von mehr als 50% steht, dass du diese Krankheit hast.“ Milly begriff immer noch nicht. „Aber ich bin doch nicht biologisch mit Mami verwandt. Wie soll, dass dann gehen?“ Ihre Eltern verstummten kurz. Dann griff ihre Mami den Faden wieder auf: „Da wir wollten, dass auch mein Blut in eurem Blut fließen, haben wir beschlossen, etwas von meinen Genen bei eurer Befruchtung dazuzutun. Hast du dich nie gefragt, warum Joni und ich dieselbe Augenfarbe haben?“ Milly stockte. Sie hatte es immer als Zufall gesehen. Doch wo sie jetzt so drüber nachdachte, war die Zufallslösung doch nicht so glaubenswürdig. „Aber warum habt ihr das denn nie gesagt?“, fragte Milly und ihre Stimme war mehr so ein Krächzen. „Dann hätten wir das Thema wieder aufgreifen müssen und wir waren uns nicht sicher, ob wir alle schon bereit dafür waren“, meinte ihre Mama, „Du musst morgen Nachmittag einen Test machen, ob du auch das Löffler-Syndrom hast.“ Die letzten Worte hörte Milly nur noch wie durch eine Art Trace. Alles um sie herum drehte sich plötzlich und sie hörte nur gedämpfte Stimmen in ihrem Kopf widerhallen. Löffler-Syndrom, Test, morgen Nachmittag war alles, was sie noch grade so verstand. Wenn auch nur die geringste Chance bestand, dass sie wirklich das Löffler-Syndrom geerbt hatte, bedeutete, dass sie in Lebensgefahr schwebte. Und niemand wusste, ob es so gut ausgehen würde, wie bei ihrer Mami. „Vielleicht war das doch schon zu viel für sie“, hörte sie ihre Mama murmeln. „Milly, wir können dich morgen dahinfahren und bei dir sein und…“, fing ihre Mami an, doch Milly unterbrach sie: „Nein, das passt schon! Ich fahr nach der Schule hin. Allein“ Ihre Eltern wechselten einen besorgten Blick. „Bist du dir sicher? Ich meine du musst dann noch eine halbe Stunde warten und wir können dich ganz einfach bringen…“, versuchte es auch ihre Mama nochmal, doch es half nichts. „Nein!“, sagte Milly, eventuell ein bisschen zu schroff. „Gut, du weißt in welche Praxis du musst?“, fragte ihre Mama sie. Anscheinend hatten sie sich beide geschlagen gegeben. Milly nickte und schluckte den großen Klos runter, der in ihrem Hals steckte. „Ich geh hoch in mein Zimmer.“ Es war mehr geflüstert als gesagt, aber ihre Eltern verstanden sie und nickten. Ohne ein weiteres Wort, rannte Milly hoch auf ihr Zimmer und dort konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten und schluchzte los. Es lag auf einmal eine so unglaublich große Last auf ihr, dass sie fast zusammenbrach, unter dem Gewicht. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und probierte ihre Gedanken zu sortieren, doch es gelang ihr nicht. Auf einmal fühlte sich alles so schwer an. Nicht einmal atmen war mehr einfach. Über den Tod und Sterben hatte sich Milly noch nie so wirklich Gedanken gemacht. Wozu auch? Sie hatte noch nie einen Grund dazu gehabt. Aber vielleicht muss nicht alles einen Grund haben. Eilig holte Milly ihren Laptop heraus und begann etwas über den Tod zu suchen. Dort gab es sehr viele Seiten, die sich damit beschäftigten. Ihr viel auf, dass es nur wenige Menschen gab, die gut über das Sterben sprachen. Die allermeisten hatten Angst davor. Mühsam klappte Milly ihren Laptop zu. Wahrscheinlich hatten so viele Angst vor dem Tod, weil sich die Menschheit sowas einfach nicht vorstellen konnte. Tod und Unendlichkeit. Alles, was für die Menschen im Unvorstellbaren lag, war automatisch gruselig. Die Menschen, die ein schlechtes Leben führten, wünschten sich den Tod manchmal sogar herbei. Doch Milly tat das nicht. Sie mochte ihr Leben, so wie es war und wollte daran ganz sicher nichts ändern. Naja, außer Frau Specht, die musste ja nicht unbedingt dabei sein, aber ansonsten gefiel ihr ihr Leben sogar sehr gut. Seufzend schaute Milly aus dem Fenster. Sie musste morgen wohl oder übel zu diesem Termin egal, wie viel Angst sie davor hatte die Wahrheit zu erfahren. Aber für immer im Ungewissen leben wollte Milly auch nicht, also würde sie morgen einfach diesen Verdammten Test machen, beschloss sie und wollte damit ins Bett gehen und einschlafen. Doch daraus wurde nichts, weil sie sich noch bis 01:00 Uhr damit beschäftigte und schließlich, in einen unruhigen Schlaf viel.
Als Milly am nächsten Morgen von dem kreischenden Vogel geweckt wurde, fühlte sie sich am Anfang sicher und geborgen. Doch als sie langsam die Augen öffnete, erinnerte sie sich an das Gespräch von Gestern und die Ereignisse lagen wieder wie ein großer Stein auf ihr drauf. Ein Stein, den man nicht wegbewegen konnte. Mühsam zwang sich Milly aufzustehen, anzuziehen und langsam die Leiter, die zu ihrem Zimmer führte runterzusteigen. Sie schaute nicht in Jonis Zimmer uns wartete auch nicht auf Jannes, um ihr morgendliches Wettrennen zu starten. Sie schlurfte einfach die Hölzerne Treppe hinunter. Da kam Jannes aus seinem Zimmer und als er sie schon auf der Treppe sah, wirkte sein Blick am Anfang verwirrt. „Glaubst du, dass du mich schlagen kannst, wenn du einfach schon runter gehst?“, grinste er und rannte an Milly vorbei. Doch das war ihr Heute egal und sie ließ Jannes gewinnen. Als sie auch im Wohnzimmer ankam, saß Jannes schon am Frühstückstisch und biss in sein Marmeladenbrot. „Na? Hast du endlich eingesehen, dass du gegen mich eh keine Chance hast?“, lachte er. Milly antwortete nicht, sondern brachte nur ein gequältes Lächeln zustande und setzte sich zu ihm. Ihre Eltern standen in der Küche und brieten Rührei an. Als ihre Mami ihren Blick kurz hob und Milly sah, lächelte sie kurz, jedoch sengte Milly schnell den Blick und erwiderte es nicht. Ihre Mami sagte kein Wort dazu, sondern begrüßte nur Joni, der grade die Treppe runterkam. Jannes bemerkte die angespannte Stimmung und probierte sie ein bisschen aufzuheitern, jedoch lachte niemand über seine Witze, wodurch er dann schließlich auch beleidigt war. Den Badezimmerkampf gewann dieses Mal Joni. Danach kam Jannes und zuletzt mal wieder Milly. Doch an diesem Morgen machte es ihr nichts aus, dass sie komplett zu spät auf ihrem Fahrrad saß, um zur Spivak-Schule zu fahren. Ihr machte es auch nichts aus, als sie dann 20 min zu spät vor ihrer Klassenzimmertür stand und anklopfte. Ihr mache es nicht aus, dass sie nachsitzen musste, weil sie zu spät war und ihre Freunde sie mit fragenden Blicken konfrontierten. Milly machte das alles nichts aus, weil sie mit ihren Gedanken komplett woanders war. Im Unterricht starrte sie die meiste Zeit nur aus dem Fenster und meldete sich kein einziges Mal, was ihr nicht ähnlichsah. In den Pausen probierten Millys Freunde sie aufzuheitern, doch es gelang ihnen nicht. „Was ist eigentlich los mit dir“, fragte Emma nach einer Weile ein bisschen genervt, „wir versuchen dir doch zu helfen, aber das bringt nichts, wenn du uns nicht sagst, was los ist!“ Doch Milly wollte ihre Hilfe nicht. Sie wollte einfach nur, dass die Welt aufhörte sich zu drehen und das alles so war wie früher, oder Gestern. Gestern reichte auch schon. Warum konnte man die Zeit nicht einfach stoppen? Warum konnte es nicht einfach so bleiben wie es war? Irgendwann gaben ihre Freunde auf sie zu fragen, was los sei und Milly konnte es nachvollziehen. Der Schultag zog sich ewig lang, was einerseits gut war, denn so konnte sie den Termin ein wenig hinauszögern. Andererseits war es allerdings auch nicht so gut, denn je näher der Test rückte, desto nervöser wurde Milly. Spätestens, als sie im Matheunterricht mit ihrem Stuhl umkippte, verlor ihre Mathelehrerin die Fassung: „Was ist denn heute nur los mit dir Milly?“ Milly schwieg, doch sie spürte die bohrenden Blicke ihrer Mitschüler*innen in ihrem Rücken. Ihre Mathelehrerin Frau Habicht schüttelte nur kurz den Kopf, fuhr aber dann mit dem Unterricht fort. Doch Milly war schon wieder in ihren Gedanken versunken. Nach der Schule lief sie sofort zu ihrem Fahrrad, ohne sich von ihren Freunden zu verabschieden. Milly wusste, wie gemein das war, doch sie musste einfach hier weg. Sie konnte nicht noch mehr Fragen ausweichen, auch wenn sie wusste, dass ihre Freunde ihr das übel nehmen würden. Also schwang sie sich aufs Rad und fuhr davon. Sie wusste genau, wo sie hinfuhr. Bis zum Test war es noch eine halbe Stunde, also fuhr sie in den Wald. Als Milly kleiner war, war sie öfters hier gewesen, doch seit sie auf der Spivak-Schule war, hatte sie kaum noch Zeit dafür. Entweder musste sie lernen, sie war verabredet oder irgendwas anderes war dazwischengekommen. Als Millys Mami noch die Herzkrankheit hatte, war Milly öfters hier gewesen. Doch obwohl sie so lange nicht im Wald war, kam ihr alle so unglaublich bekannt vor. Die große Eiche dahinten, hatte immer noch die eingeschnitzten Namen und auf die Buche konnte man immer noch prima draufklettern. Als Milly an die große Lichtung kam, blieb sie einen Moment wie angewurzelt stehen. Eine Welle von Erinnerungen überflutete sie. Gute, als auch schlechte. Milly, Jannes und Joni hatten sich früher manchmal hierher geschlichen, wenn sie Ärger oder andere Sorgen hatte. Die drei waren immer füreinander da. Auch als Mami die Herzkrankheit hatte. Da besonders! Nur mit Mühe riss Milly sich von der Lichtung los und ging weiter zwischen den Bäumen durch. Ein kleiner Pfad führte zu einem Teich. Zwei Libellen schwirrten darüber und jagten sich gegenseitig. Am Rand des Teiches war eine Krötenfamilie aus dem Gras gehüft und sprangen nun nacheinander in den Teich. Über dem schillernden Wasser schwammen ein paar Seerosen, die den Teich schmückten. Milly setzte sich an Ufer und nahm einen Stein in die Hand. Er war grau, flach und ein weißer Strich zog sich quer darüber. Milly stand auf und flitschte den Stein über den Teich. Er berührte dreimal das Wasser, bis es schließlich unterging. Milly wiederholte das ein paar Mal, denn es lenkte sie ab. Nach einer Weile wurde sie wieder zuversichtlicher. Milly stand auf, ging zurück zu ihrem Fahrrad, atmete einmal tief durch und fuhr dann los. Sie würde 10 min zur Arztpraxis brauchen. Es passte genau. Doch als Milly schließlich auf dem Weg war, dehnte sich die Zeit unglaublich dolle aus. Jede Minute fühlte sich wie eine Stunde an und Milly wunderte sich, dass sie irgendwann überhaupt ankam. Doch dann war sie irgendwann doch da. Als Milly ihr Fahrrad abstellte, stand sie vor einem großen, weißen und modernem Haus. Es hatte große Fenster, die aber mit Jalousien verdeckt waren. An der Tür standen die Öffnungszeiten und der Praxisname. Jetzt wäre eigentlich der Moment gewesen, in dem Milly die Tür hätte öffnen sollen und die Praxis betreten sollte. Doch sie tat es nicht. Milly stand einfach nur da und war wie gelähmt. Die Selbstsicherheit von vorhin war komplett verschwunden und es fühlte sich so an, als ob Milly im Erdboden verwurzelt war. Wilde Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Wollte sie wirklich die Antwort wissen? Sie musste den Test nicht machen. Und wenn sie ihn nicht machen würde, konnte sie mit der Ungewissheit leben? Milly schloss die Augen und zwang ihre Beine sich zu bewegen. Doch es gelang ihr nicht. Plötzlich hörte Milly ganz in der Nähe ein Rascheln. Es war nicht mehr als ein leises Knistern des Laubes. Doch als Milly die Augen öffnete saß vor ihr ein kleiner Vogel, der sie einfach nur anschaute. Beim nähernden Hinsehen, erkannte Milly, dass es sich um eine Blaumeise handelte. Aus Angst, den kleinen Vogel zu verschrecken, blieb sie ganz stillstehen. Milly wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber irgendwann wurde ihre Panik weniger, bis sie schließlich ganz verschwunden war. In dem Moment flog die Blaumeise davon und Milly betrat die Praxis. Das Gebäude sah von innen noch moderner aus als von außen. Überall hingen Plakate mit Werbung oder anderen, unnötigen Dingen. Ein schlichter Flur, führte zu einem Tresen, hinter dem ein so um die 25 Jahre alter Mann saß. Als er Milly sah, lächelte er freundlich. „Du bist Milly Kaya, oder?“, fragte er. Milly nickte nur und war froh, dass sie nicht sprechen musste, weil sonnst womöglich ihre Stimme versagt hätte. „Bitte einmal ins Wartezimmer, wir rufen dich sofort rein“, sagte der Mann nur noch. Das Wartezimmer war bunter als jedes andere Zimmer in der Praxis. Ein Farbenfroher Teppich schmückte den Boden und in einer Ecke stand ein Turm aus Spielzeugen. Nach einigen Minuten ging die Tür vom Wartezimmer auf und der Mann vom Tresen fragte: „Milly Kaya?“ Zitternd erhob sich Milly und folgte dem Mann zu einem der hinteren Wartezimmern. „Hier rein bitte!“, meinte er und nickte freundlich, „die Ärztin müsste gleich kommen.“ „Danke“, sagte Milly, doch es hörte sich eher wie ein krächzen an. Das Zimmer war nicht gut beleuchtet. Durch ein schmales Fenster fielen ein paar Sonnenstrahlen, aber ansonsten gab es keine Lichtquelle in dem Raum. Milly ließ sich auf einen Stuhl sinken und wartete. Nach einiger Zeit betrat eine Frau mit wilden, roten Locken das Wartezimmer und setzte sich vor Milly. „Hallo Milly, ich Dr. Forley, aber du kannst mich Kate nennen.“ Milly nickte. „Wie ich sehe bist du nicht mit deinen Eltern hier? Okay, dass macht nichts, wir schicken ihnen später eine E-Mail.“ Milly nickte wieder. „Okay Milly, ich nehme an du weißt, warum du hier bist. Wir testen dich jetzt auf das Löffler-Syndrom. Dazu müssen wir dir leider Blut abnehmen. Ist das in Ordnung für dich?“ Eigentlich wollte Milly nicht nicken. Am liebsten wollte sie schreiend nach Hause rennen. Doch sie nickte trotzdem. „Das ist gut. Ich versuche mich zu beeilen“, versprach Kate, während sie eine Spritze hervorholte. Automatisch wich Milly ein Stück zurück. „Ich verspreche dir, es ist nicht so schlimm, wie es aussieht!“, beruhigte Kate sie. Widerwillig setzte Milly sich zurück auf ihren Stuhl und zuckte nur noch einmal zusammen, als Kate ihr die Spritze an den Arm drückte. Auch wenn alles in ihr drinnen schrie, machte Milly keinen Mucks. Kate schaute sie ermutigend an und zählte von drei runter: „Drei…Zwei…Eins!“ Ein stechender Schmerz durchzuckte Milly, als die Nadel durch ihre Haut stach. Doch als ihr das Blut abgenommen wurde, spürte sie es kaum. „Fertig!“, rief Kate und lächelte, „Du erhältst morgen Abend eine Antwort von uns und bist dahin, fahr lieber nach Hause.“ Milly bedankte sich höflich und verließ das Zimmer. Erst als sie draußen ankam, realisierte sie, dass sie es geschafft hatte, und Milly fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Fast schon erleichtert lief sie zu ihrem Fahrrad und radelte nach Hause. Die lauwarme Frühlingsluft, wehte Milly ins Gesicht und sie konnte die Erleichterung förmlich spüren. Als sie zuhause ankam, stellte Milly ihr Fahrrad in den Schuppen und ging dann langsam ins Haus. Drinnen wurde sie aber nicht ganz herzlich von ihrem großen Bruder begrüßt. Er war nämlich grade komplett am Ausrasten. Als Milly einen Blick mit ihrer Mama austauschte, wusste sie, dass ihre Eltern beschlossen hatten es ihren Brüdern zu sagen. Denn auch Joni saß auf dem Sofa, neben ihren Eltern. „Warum sagt ihr mir das erst jetzt!?“, brüllte Jannes grade. „Wir wollten das erst einmal mit Milly allein besprechen“, erwiderte ihre Mama darauf und Milly war überrascht, wie ruhig sie dabei war. „Ich hätte helfen können“, zischte Jannes, aber immerhin war er nicht mehr am Schreien. „Ja, das wissen wir, aber jetzt ändert es eh nichts mehr“, mischte sich jetzt auch ihre Mami ein. Jannes gab nur noch ein wütendes Schnauben von sich und polterte dann die Treppe rauf. Ihre Mama seufzte, drehte sich aber dann zu Milly um und fragte: „Und? Überstanden?“ Milly nickte: „Sie schicken mir die Ergebnisse morgen Abend.“ „Willst du morgen vielleicht zuhause bleiben?“, fragte ihre Mami sie. Milly zögerte kurz, aber nickte schließlich. „Gut ich ruf dann eben in der Schule an. Und lass Jannes ein bisschen Zeit, um es zu verarbeiten, okay?“ „Okay“, murmelte Milly und ging die Treppe hoch in ihr Zimmer. Erschöpft ließ sie sich auf ihr Bett fallen und war froh, dass sie es schafft, ihr Gedanken ein bisschen in Zaum zu halten. Doch an schlaf war nicht zu denken. Also stand Milly nochmal auf und setzte sich an ihren Schreibtisch. Darauf stapelten sich viele Skizzen und unfertige Zeichnungen. Die fertigen Bilder hatte Milly sicher in einem anderen Ordner abgeheftet. Sie nahm sich ein neues Blatt Papier und begann mit geschlossenen Augen darauf rumzukritzeln. Als sie meinte, damit fertig zu sein, öffnete sie die Augen. Auf den ersten Blick sah Milly nur gekritzelt, doch als sie länger hinschaute, nahm es in ihrem Kopf Form an. Und schließlich wusste Milly, was sie daraus zeichnen wollte. Sie sah einen großen Heißluftballon, an dem aber nicht wie gewöhnlich ein großer Ballon hing, sondern viele kleine in unterschiedlichen Farben. Also begann Milly zu zeichnen. Doch schon nach einer Stunde hatte sie keine Lust mehr und heftete das Bild in ihren Ordner. Sie machte sich bettfertig und schmiss sich auf ihr Bett. Und glücklicherweise schlief Milly kurz darauf in einen Traumlosen Schlaf.
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, war es schon helllichter Tag und ein Blick auf die Uhr verriet Milly, dass es schon halb eins war. Schnell zog sie sich an und ging die Treppe hinunter, wo noch Reste von Frühstück auf sie warteten. Neben Millys Teller, lag eine Nachricht:
Mami ist bei der Arbeit und ich bin Einkaufen. Bin schnell wieder da!
Mama
„So schnell wohl doch nicht“, murmelte Milly und setzte sich auf ihren Stuhl. Als sie fertig mit dem Frühstück war, lief sie nach oben in ihr Zimmer und ließ sich auf ihr Bett fallen. Milly kramte ein altes Buch hervor und begann zu lesen. Das Buch handelte davon, dass die Welt kurz vor dem Untergang stand und die Menschheit wichtige Entscheidungen treffen musste. Grade, als der Vorschlag kam, einen neuen Planeten zu suchen und einfach umzusiedeln, klingelte es. Milly sprang auf und lief nach unten, um die Tür aufzumachen. Sie hatte erwartet, dass es ihre Mama war, die vor der Tür stand, doch als Milly sie öffnete, stand Jannes vor ihr. Er drängelte sich an ihr vorbei, ohne ein Wort. Doch als er kurz vor der Treppe war, drehte er sich schließlich doch noch einmal um und murmelte: „Sorry, ich konnte sie nicht davon abhalten.“ Doch bevor Milly nachhacken konnte, klingelte es erneut. Diesmal öffnete sie nur sehr langsam die Tür. Und als Milly fast schon dachte, dass es nur ein Klingelstreich gewesen war, sprangen ihre Freunde hervor und brüllten: „Überraschung!“ Milly bekam vor Schreck fast einen Herzinfarkt. „Was zum Teufel macht ihr hier?“, fragte Milly, nachdem sich ihre Freunde wieder eingekriegt hatten. „Dich besuchen, was sonst?“, lachte Emma und knuffte Milly in die Seite. „Alle, spontan? Nach der Schule? Obwohl ich krangemeldet bin?“ fragte Milly verwundert. „Wir haben deinen Bruder ausgequetscht, warum du nicht da warst. Vor allem, als du dich gestern so komisch aufgeführt hast. Und er hat sich schließlich verplappert!“, antwortete Lukas und grinste hämisch. „Also wisst ihr jetzt alles?“, fragte Milly und war sich unsicher, ob sie ihren Freunden nicht doch die Tür vor der Nase zuknallen sollte. Doch L hatte sie durchschaut und stellte einen Fuß in die Tür. „So schnell wirst du uns nicht los“ meinte L und die anderen nickten zustimmend. Also blieb Milly nichts anderes übrig, als ihre Freunde reinzuführen und ihnen alles, bis auf das kleinste Detail zu berichten. Als sie damit nach einer gefühlten Ewigkeit fertig war. Sagte erstmal niemand was. „Und wann bekommst du die Benachrichtigung?“, brach Emma irgendwann die Stille. „Heute Abend“, flüsterte Milly. Emma nahm sie in den Arm und die anderen taten es ihr gleich. Bis Lukas irgendwann die Umarmung unterbrach und sich lauthals beschwerte: „L du zerdrückst mich!“ L lachte laut und jagte Lukas durch Millys ganze Zimmer mit einem Kissen. Dadurch wurde der Nachmittag noch ziemlich lustig und Milly vergaß ganz, sich Sorgen zu machen. Als ihre Freunde sich verabschiedeten, ging es Milly schon ein ganzes Stück besser, sodass sie zum Abschied nur: „Danke“, sagen konnte. Emma, Lukas und L lächelten aufmunternd und Milly musste versprechen sie sofort anzurufen, wenn sie die Benachrichtigung erhalten hatte. Danach war die Stimmung ziemlich angespannt im Haus, doch Millys Eltern probierten so gut wie möglich, die Situation ein wenig zu lockern. Als Milly grade nach oben in ihr Zimmer gehen wollte, um noch ein bisschen zu zeichnen, stand Jannes auf einmal vor ihr und räusperte sich. „Milly, es tut mir leid“, sagte er und Milly konnte es nicht glauben, dass er sich bei ihr entschuldigte. „Das mit meinen Freunden oder das du ausgeflippt bist“, fragte Milly und versuchte seinen Blick einzufangen. „Beides“, murmelte Jannes, „obwohl du zugeben musst, dass deine Freunde sehr aufdringlich sein können!“ Milly lachte: „Da hast du recht!“ Jannes sah aus, als ob er noch mehr sagen wollte, doch da rief ihre Mama von unten: „Milly, die Benachrichtigung ist da!“ Für einen Moment blieb ihr Herz stehen, doch dann gab sich Milly einen Ruck und murmelte nur noch: „Wer zuerst unten ist!“ und flitzte los. Jannes brauchte mindestens fünf Sekunden, um zu realisieren, was gerade geschehen war, bis er schließlich auch die Treppe runter rannte. Diesmal war Milly die erste. Sie stellte sich zu den anderen, die um den Laptop von ihrer Mami versammelt waren. „Du darfst sie öffnen“, sagte ihre Mama und zeigte auf eine der oberen E-Mails. Das war der Moment, indem Milly realisierte, dass es grade wirklich passierte und sie taumelte erste einmal ein paar Schritte zurück. Doch als Joni ihre Hand nahm, kehrte Millys Selbstbewusstsein zurück und nahm mutig die Maus in ihre andere Hand. Egal was in dieser E-Mail stehen würde, es würde nichts daran ändern, wer sie war und wer sie unterstützte, dass war Milly klarer als je zuvor. Und mit diesem Gedanken und zitternden Händen, öffnete Milly die Nachricht und las…
Fertiggeschrieben am 21.02.2025
Bei dieser Geschichte habe ich Bildwürfel benutzt und drei Symbole gewürfelt: Blume, Vogel und Herz. Diese Geschichte ist daraus entstanden.
Es tut mir wirklich Leid an alle, die keine offenen Enden mögen!